21Jul 08

Migrationshintergrund (Teil 2)

geschrieben von Ferdl und abgelegt unter In eigener Sache
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Die Quintessenz aus Teil 1 lautet also: Das hier ist ein Blog. Basta. Und welches Content-Management-System (CMS) bietet sich für Blogs an? Richtig, WordPress! Aber so weit sind wir noch nicht…

Seit mittlerweile drei Jahren nutze ich zur Verwaltung meiner Homepage Joomla in der Version 1.0.x (ursprünglich sogar noch Mambo). Zweifellos ein sehr gutes und flexibles CMS, das zwar in der Bedienung manchmal etwas verwirrend ist, für das es aber schier unendlich viele Templates (Designvorlagen) gibt. Spätestens mit Hilfe der zahllosen Plugins lässt es keine Wünsche mehr offen. Es gibt sicher kaum etwas, was damit nicht realisierbar wäre! Leider hat es auch seine Macken, zudem ist es mittlerweile etwas in die Jahre gekommen.

Joomla 1.5

Letzteres ist kein großes Problem, denn nach einer recht langen Entwicklungsphase ist Anfang des Jahres Joomla 1.5 erschienen. Hier werden einige Schwächen der älteren Version ausgemerzt, so wird zum Beispiel  konsequent der Code vom Design getrennt. Damit wird auch das Backend endlich mehrsprachig. Obwohl es optisch dem Vorgänger recht ähnlich sieht, handelt es sich im Prinzip um ein komplett neu programmiertes CMS! Deswegen ist auch kein Update möglich, der Wechsel zur neuen Version bedeutet immer, dass Joomla 1.5 neu aufgesetzt werden muss.

Das geht fast zwangsläufig auf Kosten der Abwärtskompatibilität. Zwar lassen sich die Plugins für 1.0.x im sogenannten “legacy mode” weiterverwenden, das ist aber natürlich nur eine Notlösung. Auch die alten Templates können nicht weiterverwendet werden, sondern müssen ausgetauscht oder zumindest grundlegend umgeschrieben werden. Vor allem aber ist die Migration des Seiteninhalts problematisch. Es gibt dafür eine Zusatzkomponente, die zwar so leidlich funktioniert, aber nie den Release-Candidate-Status überschritten hat und eine Unmenge an Fehlermeldungen ausgibt. Sie überträgt außerdem nur nackten Text, also keine Bilder, keine Einstellungen, keine Plugins, kein garnix. Auch die offizielle Migrationsanleitung ist bzw. war lange nicht up-to-date.

Als Upgradewilliger wird man also nicht gerade auf Händen getragen, ein Selbstläufer ist das jedenfalls nicht. Da macht es eigentlich keinen Unterschied, gleich zu einem anderen CMS wie WordPress oder Drupal zu wechseln. Die Übertragung der Daten funktioniert hier genauso gut (bzw. schlecht), teilweise sogar besser!

Plugins – Segen oder Fluch?

Joomla 1.0.x wird zwar sicher noch lange unterstützt werden, bei den Plugins geht der Trend aber verständlicherweise dahin, sich nur noch auf Version 1.5 zu konzentrieren. Ein Wechsel – wohin auch immer – muss also wohl früher oder später sein! Das Problem ist, dass man bei Joomla in der Regel nicht um Plugins herumkommt. Im Gegensatz zu WordPress, Drupal oder vielen anderen aktuellen CMS hat Joomla nämlich “out of the box” z.B. keine Kommentarfunktion oder die Fähigkeit, suchmaschinenfreundliche URLs zu erzeugen. Damit wird eine interne URL wie

www.domain.de/index.php?option=com_content&view=article&id=25&Itemid=28

beispielsweise umgeschrieben in

www.domain.de/witze/blondinenwitze.html

,was für Google & Co äußerst wichtig ist. Dass dieses Feature auch in der neuen 1.5er-Version allenfalls rudimentär implementiert ist, ist ein absolutes Armutszeugnis! Das muss ich leider so deutlich sagen, denn das ist eine der elementarsten Funktionen, die ein CMS heutzutage beherrschen muss!

Sicher kann das auch über Plugins realisiert werden, doch da sind wir gleich beim nächsten Problem: Niemand garaniert, dass der jeweilige Entwickler auch in einem halben Jahr noch Lust hat, sich weiter um sein Projekt zu kümmern. Gerade SEO-Plugins kamen und gingen im Halbjahresrhythmus. Ob 404SEF, OpenSEF, NuSEF usw. – die Liste ist lang! Bei kleinen unbedeutenden Gimmicks mag das egal sein, bei so zentralen und zudem sicherheitsrelevanten Funktionen aber nicht! Hoffen wir, dass der Entwickler der aktuell mit Abstand besten Lösung sh404sef mehr Stehvermögen hat, als seine zahlreichen Vorgänger. Auch die hervorragende Newsletterkomponente Letterman scheint mehr oder weniger verwaist zu sein. Vor diesem Problem wird man zwangsläufig immer wieder stehen. Eine im CMS integrierte Lösung ist da ohne Frage zukunftssicherer!

Manches lässt sich auch mit Plugins nicht so einfach realisieren. Obwohl das Angebot relativ groß ist, ist es z.B. schwierig, eine vernünftige Gästebuch- oder Kommentarkomponente mit Spamschutz zu finden. Teilweise handelt es sich dabei um stümperhaft aus älteren Plugins zusammengebastelte Versionen, die oft noch dazu recht unflexibel sind. Am vielversprechendsten ist das vergleichsweise junge Projekt Easybook bzw. Easycomments. Nur wie das mit der Zukunft von jungen Projekten eben so ist, niemand weiß, was morgen sein wird…

Quo vadis?

Irgendwie saß ich also zwischen allen Stühlen: Sollte ich beim veralteten Joomla 1.0.x bleiben, und zusehen wie immer mehr Plugins nicht mehr weiterentwickelt werden (von Neuentwicklungen ganz zu schweigen)? Oder sollte ich auf 1.5 upgraden, eine frickelige Migration auf mich nehmen, die alten Bilder aus dem Content abschreiben, ein neues Template basteln, neue Plugins einbinden (sofern überhaupt schon vorhanden) – und letztendlich zum Teil wieder vor den alten Problemen stehen?

In meinem Fall habe ich mich für einen radikalen Schnitt entschieden: Den Umstieg auf WordPress! Irgendwie war die Situation ja schon grotesk: Ich hatte einerseits meinen Blog, realisiert mit dem “seriösen” CMS Joomla. Andererseits wird meine statische Seite domobarista.de mit dem Kindergarten-Blogsystem WordPress verwaltet, das für solche Zwecke auch nicht gerade gemacht ist. Eigentlich genau verkehrt herum!

WordPress ist zwar wirklich für doofe geschrieben und deswegen oft sehr unflexibel, kann aber zumindest von Haus aus SEF-URLs erzeugen und spamfrei Kommentare entgegennehmen. Diese zentralen Fragen waren mir nach den gemischten Erfahrungen bei Joomla für meine neu konzipierte Homepage wichtig! Womit ich dagegen mein Fotoalbum realisiere o.ä., war erstmal zweitrangig. Die Plugins werden bei WordPress außerdem selbständig auf Updates geprüft und bei Bedarf automatisch aktualisiert. Zum Bloggen ist WordPress ja ohnehin ideal, keine Frage!

Fazit

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich war mit Joomla bei allen kleineren Schwächen immer zufrieden! Ein stabiles, flexibles und gut dokumentiertes CMS mit unzähligen Erweiterungsmöglichkeiten und einer angenehmen und hilfsbereiten Community! Ich kann wirklich nur jedem ans Herz legen, Joomla zu testen! Meine spezielle Situation war einfach schwierig. Man sollte sich genau überlegen, was man will:

  • Du willst eine statische Seite erstellen? HTML-Editor oder Joomla 1.5!
  • Du willst eine Portalseite erstellen? Joomla 1.5!
  • Du hast eine Joomla 1.0.x-Seite mit überschaubarem Inhalt? Joomla 1.5, aber spar’ Dir den Ärger mit irgendwelchen Migrationsplugins oder -anleitungen, und übertrage die wenigen Seiten manuell!
  • Du hast eine sehr umfangreiche Joomla 1.0.x-Seite? Dann wirst Du vor ähnlichen Problemen stehen wie ich. Diese Entscheidung kann ich Dir leider nicht abnehmen!
  • Last not least: Du willst bloggen? WordPress, WordPress und nochmal WordPress!

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