17Aug 08
Digitalfernsehen
Die Zukunft ist digital, auch beim Fernsehen! Schließlich machen die ganzen schicken Flatscreen-Fernseher mit ihren irren Auflösungen kaum Sinn, wenn sie mit einem analogen Signal gefüttert werden. Doch genau da fangen die Probleme eigentlich erst an, denn die Zeiten, in denen man Fernseher und Videorecorder einfach angestöpselt hat, sind für die meisten Zapper vorbei. Die Geräte müssen digitaltauglich sein – und selbst dann sind noch einige Klippen zu umschiffen. Aber der Reihe nach:
DVB-T (Antenne)
Das terrestrische digitale Fernsehen scheint auf den ersten Blick eine recht gute Alternative zu sein. Die meisten neuen Fernsehgeräte können es empfangen, externe Receiver und einfache Zimmerantennen sind spottbillig, und auch USB-Sticks für den PC werden einem inzwischen nachgeworfen.
Im Großraum Nürnberg ist beispielsweise die Umstellung längst vollzogen, analoges Fernsehen wurde abgeschaltet – ob die werte Kundschaft es wollte, oder nicht. Nun ist die Situation in Großstädten traditionell eine andere, als auf dem Land: In Ballungszentren waren schon immer auch Privatsender über Antenne zu empfangen, das bleibt natürlich auch nach der Umstellung so. In Bad Windsheim ist das etwas anders, dort ist DVB-T aktuell noch nicht verfügbar. Da die Umstellung auf Digitalfernsehen aber bis Ende 2008 beendet sein soll, wird ab 25.11. vom Sender Büttelberg digital gesendet. Allerdings natürlich ohne die Privaten, ja sogar ohne das ZDF-Bouquet! Das nennt man dann wohl “Grundversorgung”, de facto hätte man sich das aber auch gleich ganz sparen können.
Fazit: In Ballungszentren ist DVB-T die einfachste und billigste Möglichkeit, Digitales Fernsehen zu empfangen, anderorts werden aber nur öffentlich-rechtliche Programme gesendet. Damit dürfte es am Land als ernsthafte Alternative ausscheiden. Um unterwegs am Laptop fernzusehen, ist es aber ideal!
Info: www.ueberallfernsehen.de
DVB-C (Kabel)
Kabel Digital bedeutet mangels Alternative in den meisten Regionen Kabel Deutschland. Die erbärmliche analoge Signalqualität, die in Bad Windsheim seit Jahren aus dem Kabelnetz kommt, ist schlicht eine Unverschämtheit! Beschweden sind wahrscheinlich sonnlos, denn dann würde einem eben der Umstieg auf DVB-C nahegelegt werden. Schließlich hat man ähnlich wie bei DVB-T schon vor langer Zeit versucht, den Kunden quasi die Pistole auf die Brust zu setzen. Sinngemäß: “Liebe Kunden, Analogfernsehen über Kabel wird früher oder später abgestellt, stimmen Sie bitte dem Wechsel in einen höherpreisigen Digitaltarif zu. Sie können gerne Widersprechen, müssen dann aber früher oder später mit Ihrer Kündigung rechnen. Danke.” Nun scheint die zahlende Kabelkundschaft aber deutlich renitenter gewesen zu sein, als die des kostenlosen terrestrischen Fernsehens, denn in letzter Zeit ist es etwas ruhiger geworden. Dennoch soll analoges Kabelfernsehen 2010 abgeschaltet werden. Bis dahin kann es aber weiterhin in jedem Tarif empfangen werden.
Hardwareseitig ergibt sich ein gemischtes Bild: Fernseher mit integriertem DVB-C-Receiver sind zwar nicht selbstverständlich, inzwischen aber relativ problemlos erhältlich, genauso wie externe Receiver. Karten oder USB-Sticks für den PC sind nach wie vor selten und teuer. Das eigentliche Problem ist, dass bei DVB-C alle (!) Privatsender verschlüsselt sind! Das bedeutet, dass jedes Empfangsgerät, ob Fernseher, Festplattenrecorder oder PC-Lösung, eine Smartcard und damit natürlich die entsprechende Hardware im Receiver zum einstecken/lesen/entschlüsseln braucht! Auch bei Fernsehern mit DVB-C-Vorbereitung muss diese i.d.R. nachgekauft werden. Zudem versucht Kabel Deutschland gerne, dem Kunden unnötigerweise die von ihnen offiziell lizensierten Endgeräte aufzudrängen. Eine Smartcard ist im monatlichen Basispreis von 16,90 Euro inklusive, jede weitere kostet einmalig 14,50 Euro, mehr als drei Karten pro Haushalt (respektive Vertrag) gibt es nicht. Die meisten ausländischen Sender gibts außerdem nur in teureren Paketen. Auch Pay-Per-View ist im Angebot.
Fazit: Kabel war immer so praktisch: Man konnte unbegrenzt Geräte anstöpseln, und auch der gute alte Videorecorder konnte einfach angesteckt werden und während der Aufnahme (anders als bei Satellitenempfang) ein beliebiges anderes Programm angesehen werden. Im Digitalzeitalter kehrt sich das ins andere Extrem: Man braucht für alles einen teuren Receiver mit Kartenschacht, mehr als drei Karten pro Haushalt gibt es sowieso nicht. Kabel Digital ist die mit Abstand teuerste Lösung und hat fast nur Nachteile! Finanziell sehr interessant wären dagegen die Komplettpakete inklusive Telefon- und Internetflatrate, die sind aber mangels Netzausbau in Bad Windsheim wie in vielen anderen Regionen nicht erhältlich.
Info: Kabel Deutschland
DVB-S (Sat)
Das Programmangebot bei Satellitenempfang ist unerreicht, und auch Receiver mit oder ohne Festplatte gibt es in einer riesigen Auswahl! PC-Lösungen sind kein Problem, aber etwas teurer. Fernseher mit integriertem Receiver findet man dagegen leider nur selten (z.B. Loewe oder Metz) und für vergleichsweise viel Geld. Außerdem sollte von jedem Empfänger ein separates Kabel zur Schüssel (Multi-LNB) gelegt werden. Ansonsten ist die Installation aber kein Problem! Anders als früher ist der Digitalempfang auch mit kleinen und etwas lieblos ausgerichteten Schüsseln selbst bei Wind und Wetter hervorragend! Es soll nicht verschwiegen werden, dass auch hier seit Jahren ähnlich wie bei DVB-C eine Grundverschlüsselung der Privatsender im Gespräch ist, in absehbarer Zeit ist das aber eher unwahrscheinlich.
Fazit: Man spitze den Bleistift: Selbst das kleinste Kabel-Digital-Paket kostet binnen 5 Jahren über 1000 Euro! Dazu kommen noch die teureren und unpraktischen Receiver mit Smartcard und das deutlich kleinere Programmangebot. Man vergleiche das mit dem Sat-Komplettanlagen-Angebot vom Wühltisch im Baumarkt seines Vertrauens, dann gibt es wohl keine zwei Meinungen mehr!
Info: Astra

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