
Für Schuldner ist es wohl die beste Nachricht seit Peter Zwegat: Das legendäre Inkasso-Team Moskau (“Ihr Schuldner muss kein Russisch sprechen, er wird uns auch so verstehen”) gibt es nicht mehr. Schon im Herbst 2008 war dem Inkasso-Team das Gewerbe untersagt worden, was nun das Verwaltungsgericht Lüneburg in seinem aktuellen Urteil bestätigt hat.

Man hat sich ja schon daran gewöhnt, das sich im Zuge der Wirtschaftskrise positive und negative Einschätzungen der Lage beinahe täglich abwechseln, bis man gar nicht mehr weiß, was man eigentlich glauben soll. Haben wir das Schlimmste hinter uns? Kommt das dicke Ende erst noch?
Die “Welt” hat nun das Kunststück fertig gebracht, sich binnen drei Tagen schon im Teaser ihrer Kommentare zur wirtschaftlichen Lage diametral zu widersprechen: Am 10. August hieß es im Aufhänger zum Artikel “Deutschland braucht ein neues Wachstumsmodell” noch “Die Exportabhängigkeit ist uns zum Verhängnis geworden“. Das sieht man am 13. August schon anders, schließlich war inzwischen bekannt geworden, dass Deutschland entgegen aller Erwartungen im 2. Quartal sogar ein kleines Wachstum von 0,3% erwirtschaftet hat. Unter dem Titel “Experten schrieben deutschen Export zu früh ab” (hört, hört!) klingt das nun etwas anders: “Es war ein wenig Häme im Spiel: Ökonomen und Journalisten aus dem Ausland“ (ach so!) “hatten die deutsche Abhängigkeit vom Export als ‘gigantischen Fehler’ bezeichnet. Doch nun hat Deutschland als eines der ersten Länder die Rezession hinter sich gelassen. Das Exportmodell erweist sich als erstaunlich robust.” So funktioniert also “Welt“-Wirtschaft! Welche der beiden nun die Schlagzeile der Woche ist, darf sich jeder selbst aussuchen…

Heute neu zum Thema “Wissen aus aller Welt von unwissenden Allerweltsjournalisten“: Die Schlagzeile der Woche! Ganz weit vorne ist die Netzeitung mit der Überschrift “7,2 Tonnen Chemie in den Rhein gelaufen“. Das ergibt leider weder sprachlich noch inhaltlich einen Sinn. Leider reicht das trotzdem nur für Platz zwei, denn die Netzeitung erklärt zumindest im zugehörigen Artikel, was wirklich Sache ist.
Ganz anders die werten Kollegen von n-tv: “Unfall mit Weltkriegsgas” heißt es dort – was auch immer das sein mag. Selbst die sonst so allwissende Suchmaschine von Google scheint hier überfragt zu sein. Die Suche nach “Weltkriegsgas“ liefert außer der n-tv-Meldung gerade mal einen (zudem wenig sinnvollen) Treffer.

Meine Schlagzeile der Woche kommt diesmal vom Bildblog. “Journalistische-Todsünden-Experten unter sich” heißt es dort. Aber der Reihe nach:
“Wir sind alle kleine Sünderlein” sagt schon der Volksmund das Volkslied. Das gilt auch für Horst Seehofer, der ja schon vor längerer Zeit zugegben hat, mit seiner heimlichen Geliebten ein Kind gezeugt zu haben. Damit aber nicht genug, denn laut TAZ ist diese heimliche Liebelei entgegen aller Beteuerungen wohl nicht beendet, im Gegenteil: Angeblich ist sogar ein zweites Kind unterwegs! “Shit happens, who cares?” möchte man als weltoffener Bundesbürger ausrufen, doch halt, wir reden hier über Bayern! Wir reden über die CSU! Das geht ja gar nicht! Seitensprünge sind was für Sozis! “Das ist ein mittleres Erdbeben für die Partei” zitiert folgerichtig die SZ führende CSU-Mitglieder.
Zudem gibt es aber einen nicht minder pikanten Nebenkriegsschauplatz: Wie schon angedeutet, hat die ja nicht gerade als boulevardesk verschriene TAZ dieses Thema ausgegraben, und sich dafür ausgerechnet von der BILD eine böse Schelte eingefangen. “Einen Beleg für Seehofers angebliches Doppelleben bleibt die links-alternative Tageszeitung allerdings schuldig. Eigentlich eine journalistische Todsünde – dreht die TAZ jetzt total durch?” ist dort zu lesen. Hört, hört! Spätestens jetzt sollte man eine Gedenksekunde zum Aufderzungezergehenlassen nehmen. Ja, das schreibt die BILD! Die BILD!
Für einen kurzen Moment habe ich wirklich an meinem Verstand gezweifelt. Zum Glück waren aber die Netzeitung und selbstverständlich der besagte Bildblog nicht minder überrascht. Irgendwie beruhigend.

An hohen Feiertagen wie Weihnachten, Ostern oder nun eben Pfingsten ist es bei Phoenix gute Tradition, einen ganzen Tag der Geschichte zu widmen. Musste bisher immer Guido Knopps Serie “100 Jahre” herhalten, werden am heutigen Pfingstmontag alle Teile der recht neuen ARD-Serie “60x Deutschland” gesendet. Wer diese gelungene Sendereihe ganz oder teilweise verpasst hat, kann das im Internet nachholen – noch zumindest. ARD und ZDF wollen/müssen nämlich ihr Onlineangebot einschränken. Ausgerechnet Chip.de stimmt in die Lobgesänge zum Geburtstag ein und titelt “60 Jahre Bundesrepublik: Die besten Downloads zum Jubiläum“. Wer hier aber Historisches à la “Das Internet der 50er” erwartet, wird natürlich enttäuscht.