09Jul 09
Schlagzeile der Woche VII
Tags: Medizin, Schlagzeile der Woche, Wissenschaft
Leider musste ich kürzlich wegen diverser Zipperlein (das Alter?) nach langer Zeit mal wieder meinen Hausarzt aufsuchen. Dabei habe ich zufällig gesehen, dass er nicht die zwei begehrten Buchstaben vor dem Namen stehen hat, was für einen Mediziner ja eher ungewöhnlich ist. Schließlich ist der “Doktor” ja landläufig sogar schon zu einem Synonym für “Arzt” mutiert. Nicht ohne Grund:
Jeder Naturwissenschaftler (mit Betonung auf “Wissenschaftler“) dürfte sich schwarz ärgern: Während unsereins rund 4 Jahre für die Promotion zum Dr. rer. nat. aufwenden muss, macht das ein Dr. med. quasi im Vorbeigehen in schlappen 6 Monaten neben dem Studium! Also zeitlich etwa in dem Rahmen, den man in jedem anderen naturwissenschaftlichen Studium allein für die Diplomarbeit aufwenden muss!
Ausgerechnet die EU, die sich in letzter Zeit was Hochschulpolitik angeht eher im Zusammenhang mit der nach wie vor ziemlich desaströsen Bachelor/Master-Studienreform von sich reden gemacht hat, scheint dem lustigen Treiben nun ein Ende zu bereiten. Wie die SZ unter dem Titel “Dr. med. Dünnbrettbohrer” – meiner Schlagzeile der Woche – berichtet, hat “das European Research Council (ERC), die neue Einrichtung zur Forschungsförderung in der EU, [...] im Mai beschlossen, den deutschen Dr. med. nicht dem internationalen Ph.D. (Philosophiae Doctor) gleichzustellen. Damit hat das ERC den Titel praktisch für minderwertig erklärt – und deutsche Medizinstudenten von der Vergabe der Fördermittel ausgeschlossen.” Entsprechend entsetzt ist die werte Ärzteschaft.
Ich weiß, ein Medizinstudium ist kein Zuckerschlecken, und den armen Medizinern ist in den letzten Jahren einiges zugemutet worden, keine Frage. Aber mal ehrlich, was wäre denn verloren, wenn nicht mehr jeder Arzt die zwei Buchstaben im Namen tragen darf, und Ärzte ohne Promotion früher oder später der Normalfall wären? Nichts. Mit dem Doktortitel soll die Befähigung nachgewiesen werden, selbständig erfolgreiche wissenschaftliche Forschung betreiben zu können – was zweifellos die wenigsten praktizierenden Ärzte zu tun gedenken, schon allein deswegen ist der “Dr.” meist überflüssig. Unabhängig davon reden wir hier über einen akademischen Grad, und den muss man sich nun mal verdienen, basta! Mögen die zwei Buchstaben auch noch so schick auf Türschildern, Visitenkarten oder Mitgliedsanträgen im Golfclub aussehen…

Michl schrieb am 9. Juli 2009 @ 19:39
Jawoll, Dr. (in Spe) Fertinger…